top of page

Aix-cellent!


Es gibt Freundschaften, die beginnen bei einem Kaffee – und andere bei sportlichen Events, die z. B. 17 Grad kaltes Wasser in der Provence beinhalten. Unsere Reise nach Aix-en-Provence zum Ironman 70.3 gehörte definitiv zur zweiten Kategorie. Mit im Gepäck: eine beste Freundin als Supporterin, ein Hund mit mehr Ferienenergie als wir beide zusammen und die romantische Vorstellung von Lavendelfeldern, Croissants und südfranzösischer Leichtigkeit. Alles das gab es in gewisser Weise auch – genauso wie die Tatsache, um 6 Uhr morgens bibbernd am Start bei Mac de Peyrolles zu stehen.


Aix zeigte sich trotzdem von seiner schönsten Seite: goldene Fassaden, plätschernde Brunnen, kleine Gassen voller Marktstände – und mittendrin wir, irgendwo zwischen Feriengefühl und Wettkampfmodus. Während der Hund neugierig durch die Altstadt flanierte und wir versuchten, bei den Windböen in den Tagen vor dem Wettkampf nicht weggeweht zu werden, redete ich mir zudem ein, dass 8 Grad Lufttemperatur am Morgen „eigentlich ganz frisch und angenehm“ seien.


Der Renntag selbst fühlte sich dann überraschend smooth an – fast schon zu leicht um wahr zu sein. Obwohl das Schwimmen dennoch frisch war. Sehr frisch. Jenes „Gesicht-taub-nach-den-ersten-Zügen“-frisch, das einen kurz hinterfragen lässt, weshalb man freiwillig Geld bezahlt, um so früh morgens in kaltes Wasser zu springen. Doch sobald der Körper akzeptiert hatte, dass Flucht keine Option mehr ist, wurde das Rennen angenehm ruhig. Die Velostrecke führte entspannt durch die provenzalische Landschaft, vorbei an Weinbergen, Alleen und sanften Hügeln. Ein fast schon zu entspannter Ausflug durch die Hügellandschaft, der von einem kleinen Malheur etwas mehr Pep erhalten hat: Beim Aufpumpen des Velos am Morgen verbog sich das Ventil, was sich nach 70 km auf der Strecke zum Problem und einem platten Pneu wandelte. Kurz Panik, etwas Improvisation und zum Glück das Penalty Zelt zur Stelle, wo Zuschauer eine Gaskartusche opferten, brachten mich dann doch in die zweite Wechselzone. Abgesehen von diesem Vorfall lief es aber erstaunlich rund.

Der abschliessende Lauf bestand aus drei Runden durch die Altstadt von Aix-en-Provence und war ein weiteres Highlight des Tages. Zwischen alten Steinfassaden, jubelnden Zuschauer:innen und den warmen Farben der Stadt bekam das Rennen plötzlich etwas beinahe Festliches. Kein brutaler Überlebenskampf, sondern ein solider, kontrollierter Lauf mit genau der richtigen Mischung aus Müdigkeit, Euphorie und der Aussicht auf ein grosses Essen und ein kühles Getränk danach.


Am Ende blieb neben einer neuen persönlichen Bestzeit – trotz der Velopanne – ein wunderbarer Tag und Wochenendausflug in Erinnerung. Geschmückt von kalter Morgenluft, verbogenen Ventilen, sonnigen Gassen, eine entspannte Rennatmosphäre und das Gefühl, gemeinsam unterwegs gewesen zu sein – irgendwo zwischen Sporttrip, Kurzferien und einer sehr absurden Art von Freizeitgestaltung.




Text: Theresa Mörtl | Fotos: privat, Sportograf

Kommentare


bottom of page