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5 Wochen Freiheit

Abenteuer zwischen Sand und Savanne – mit dem Bike durch Südafrika!


Im Jahr 2019 waren wir für zehn Tage in Kapstadt – und schon damals war klar: Südafrika hat es in sich. Als wir im Januar 2025 mit dem Mountainbike die Region rund um Stellenbosch erkundeten, hat es uns endgültig den Ärmel reingezogen. Die Landschaft, die Trails, die Weite – wir wussten sofort: Wir wollen mehr. Viel mehr. Und am besten auf zwei Rädern.


Schnell war die Idee geboren: eine Rundtour mit dem Mountainbike durch Südafrika. Nach kurzer Recherche im Internet wurde klar, dass es kaum vergleichbare Touren gab. Also machten wir das, was Sportlerinnen und Sportler gerne tun – wir planten selbst. Mit Outdooractive wurden Routen gezeichnet, Etappen festgelegt und Träume konkretisiert.

Am 12. Januar 2026 startete unser Abenteuer: fünf Wochen Bikepacking in Südafrika. Mit Edelweiss Air ging es über Nacht nach Kapstadt. Dank nur einer Stunde Zeitverschiebung kommt man erstaunlich entspannt an – vorausgesetzt, man findet im Flugzeug ein bisschen Schlaf. Mit dem Uber fuhren wir weiter nach Somerset West, wo wir bei einem Schweizer unsere Mountainbikes mieteten. Nach einer Testfahrt wurden die wenigen, aber gut überlegten Gepäckstücke in die Velotaschen gepackt. Eine letzte Nacht vor Ort – dann konnte das Abenteuer beginnen.


Die erste Woche verbrachten wir bewusst noch etwas näher an der Zivilisation, um uns an Bikes, Gepäck und Abläufe zu gewöhnen. Schnell merkten wir: Die Strassen waren deutlich weniger asphaltiert, als Outdooractive versprochen hatte. Stattdessen erwarteten uns Sand, lose Steine und teilweise grobes Geröll. Schon nach wenigen Tagen waren wir froh, dass wir uns für Mountainbikes entschieden hatten – Gravelbikes wären hier definitiv an ihre Grenzen gekommen. Gravelstrassen in Südafrika sind eben nicht mit jenen in Europa zu vergleichen.

Auch bei den Höhenmetern zeigte sich schnell: Die Realität war anstrengender als die Planung. Täglich kamen rund 400 Höhenmeter mehr zusammen als vorgesehen – bei Temperaturen von über 30 Grad eine echte Herausforderung. Die Unterkünfte hatten wir bereits von der Schweiz aus gebucht, was sich als goldrichtig erwies. Unterwegs gab es ohnehin genug zu organisieren: Wasser finden, Einkaufsmöglichkeiten entdecken, Abendessen sichern und den nächsten Streckenabschnitt planen.


Eine weitere Erkenntnis folgte rasch: Outdooractive führte uns immer wieder quer durch Townships – keine gute Idee. Diese zu durchqueren ist definitiv nicht empfehlenswert. Am Rand vorbeizufahren ging bei Tageslicht gerade noch. Ebenso standen wir plötzlich vor Zäunen mit der Aufschrift „Private Property“. Umfahren bedeutete in Südafrika nicht zwei Kilometer Umweg, sondern schnell einmal fünfzig.



Während der fünf Wochen war kein Tag wie der andere. Stundenlang durch Sandlandschaften, dann wieder durch grüne Buschgebiete, felsige Schluchten oder Berglandschaften mit bizarren Formationen. Jeden Tag warteten neue Herausforderungen: Wasser finden, Pannen beheben, Hitze ertragen oder den richtigen Weg entdecken.

Was diese Reise aber besonders machte, waren die Menschen. Immer wieder trafen wir auf hilfsbereite Einheimische, die uns unterstützten. Vor allem in kleinen Dörfern war die Freude gross, zwei Reisende auf Mountainbikes zu sehen. An vielen Orten waren wir fernab des Tourismus unterwegs – für viele Menschen war es das erste Mal, dass sie jemanden sahen, der ihr Land auf dem Bike durchquerte. Es wurde gewunken, gelacht, fotografiert und manchmal einfach nur gestaunt.


Gleichzeitig gab es auch Momente, die nachdenklich machten. In den Townships wurde die Armut sichtbar und spürbar. Kinder spielten barfuss zwischen Abfall und Glasscherben. Besonders eindrücklich war eine Szene in einem kleinen Laden: Eine Frau wollte zwei Äpfel kaufen, konnte sie sich aber nicht leisten und ging am Ende mit einem einzelnen Kaugummi für wenige Rappen hinaus. Nur wenige Tage später sassen Touristen fünfzig Kilometer entfernt bei Weisswein und Champagner in der Sonne. Solche Kontraste gehen einem unter die Haut.

Mit dem Velo zu reisen bedeutet, ein Land intensiv zu erleben. Man spürt jede Bodenwelle, jeden Windstoss – und ja, meistens ist es Gegenwind. Tausendfüssler, Schildkröten und Affen kreuzten unseren Weg, und jeden Abend waren wir komplett paniert von Sand und Staub. Oder wie Gölä singt: „Dräck uf de Zunge und Staub uf de Lunge.“

Nach fünf Wochen blieb vor allem eines: Begeisterung. Südafrika hat uns komplett in seinen Bann gezogen. Unser Fazit ist deshalb klar: Einmal Südafrika, immer wieder Südafrika.

Und weil Vorfreude bekanntlich die beste Motivation ist, steht das nächste Abenteuer bereits fest: Ab dem 12. Januar 2027 sind wir wieder unterwegs – diesmal sieben Wochen, rund 3200 Kilometer und 40’000 Höhenmeter.



Text: Karin Müller & Theresa Mörtl | Fotos: Karin Müller

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